Silverberg-Gymnasium Bedburg
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Unser Gymnasium im Spiegel der Presse

Literaturherbst
Köster und Hocker unromantisch verliebt
Von Anja Musick, 22.09.08, 15:47h

Trotz des Abiturstresses nahmen Schüler des Silverberg-Gymnasiums am Literaturherbst teil. 23 von ihnen rezitierten Liebesgedichte. Und Gerd Köster sang Liebeslieder.

Irgendwie war früher alles ganz anders. Und doch auch ein wenig so wie heute. Das mit der Liebe nämlich. Gut, die Sprache war opulenter. Wie duftstrotzende, mit üppigen Blumen überladene Girlanden winden sich etwa die Zeilen von Goethe, Schiller, Storm oder Rilke. Aber die Gefühle? Die sind doch immer noch so wie von einst. Sehnsucht, Zweifel, Leidenschaft, Kummer und Erfüllung.

Da traten die 23 Mitglieder des Deutsch-Leistungskursus der Jahrgangsstufe 13 der Reihe nach auf die Bühne der Aula im Silverberg-Gymnasium, rezitierten Liebesgedichte quer durch die Epochen, und die rund 150 Zuhörer hatten den Eindruck, dass die jungen Leute mit dem Herzen ganz nah bei den großen Dichtern sind und diese genau verstehen. Auch wenn der ein oder andere Junge sich flapsig gibt, die Hände in den Hosentaschen vergräbt und mit großen, albernen Gesten Distanz vortäuscht. Auch wenn sich das ein oder andere Mädchen mit kokettem Augenaufschlag und einem schüchternen Lächeln für einen Versprecher entschuldigt.

Der Titel der Veranstaltung, die vom Kulturamt der Stadt Bedburg und dem Medienbüro Junggeburth organisiert wurde, hieß „Die Liebe steht uns bis zum Hals“. Aber so ganz glaubte keiner das den jungen Leuten. Gerd Köster und Frank Hocker glaubte man das übrigens auch nicht. Die sind doch Künstler. Und als solche irgendwie immer verliebt, ins Leben, die Kunst oder in sich selbst.

Gewohnt rotzig und trotzig gab sich Köster, sang mit seiner unverwechselbar kratzigen Stimme Lieder von der ( auch enttäuschten) Liebe. Nach der ganzen barocken, klassischen und modernen Lyrik habe das Publikum vielleicht den Eindruck, Männer seien einzig und allein der Romantik verpflichtet, mutmaßte der Künstler aus Köln. „Dat is net janz esu.“ Beispielsweise brachte Köster das Lied von der „allein umhererziehenden Mutter“, die sich nach einem Happy End wie im Film sehnt, jedoch einsam in ihrer Wohnung hockt und sich um die Kinder kümmert. Den „Krätzchens-Verzäller“, also den Erzähler typischer Kölner Geschichten mit typischem Kölner Humor, gab Köster auch. So erzählte er über die „Kölsche Gesundheitsreform“: eine Episode an einem Karnevalssamstag in einem Kölner Krankenhaus, in das die „Nippeser Bürgerwehr“ mit lautem Trara einmarschiert und notgedrungen alle zuhören lässt - Kassenpatienten und Privatpatienten. Und um zum Thema zurückzukommen erklang am Ende das wunderbar hoffnungsvolle Lied „Halt dich an deiner Liebe fest“ von Rio Reiser.