Der Namenspatron Adolf Silverberg
Als Adolf Silverberg, Sohn eines jüdischen Fabrikanten, 1872 von Goch nach Bedburg zog, wo er Theodora Schönbrunn heiratete, begann für die Schlossstadt eine Epoche großen wirtschaftlichen Aufschwungs. Aus dem bis dahin kleinen Landstädtchen, das überregional nur durch seine Ritterakademie bekannt war, wurde durch das Wirken des Großindustriellen der zu jener Zeit bedeutendste Industriestandort in der gesamten Erftregion. Sein Sohn Paul Silverberg führte die Geschäfte nach dem Tode des Vaters und entwickelte sie weiter. Er – Mitglied in Gremien vieler Großunternehmen – wurde zum Wegbereiter des heutigen Rheinischen Braunkohlenreviers.
Lebenslauf
Adolf Silverberg, 1845 am Niederrhein geboren, war Ende des 19. Jahrhunderts der erfolgreichste Unternehmer in unserer Region mit folgenden Gründungen:
1873 – mechanische Weberei „B. Schönbrunn & Cie“
1887 – „ Bedburger Wollspinnerei Commandit Gesellschaft A. Silverberg & Cie“
1894 – Fusion der beiden Firmen zur „Bedburger Wollindustrie AG“ mit mehr als 1000 Arbeitsplätzen
1897 – „Rheinische Linoleumwerke Bedburg AG“ (RLB) mit über 250 Arbeitnehmern.
1898 – Erwerb von vier Braunkohlegruben durch ein Konsortium unter Leitung von Adolf Silverberg, die zur „Gewerkschaft Fortuna“ zusammengefügt wurden.
1902 – Unter seiner Führung Umwandlung der Gewerkschaft in „Fortuna AG“ mit annähernd 500 Beschäftigten. Adolf Silverberg hatte aber nicht nur als erfolgreicher Unternehmer einen guten Ruf erlangt, auch die sozialen Belange seiner Belegschaft waren ihm ein Anliegen. Beispiele dafür sind:
- die Einführung von Betriebskrankenkassen in der „Wolle“ als auch bei RLB
- für diese beiden Werke und die Fortuna AG die Errichtung eines Unterstützungsfonds, der „Adolf-Silverberg-Stiftung“, mit dem Ziel, den Arbeitern in Zeiten der Not materiell unter die Arme zu greifen
- die Schaffung einer Kleinwohnungsbaugenossenschaft innerhalb der Bedburger Wollindustrie AG, um seiner Arbeiterschaft „gesunden Wohnraum“ zu bieten
- der Bau eines Schulgebäudes in Fortuna auf eigene Kosten, um die Bildungsmöglichkeiten für Kinder zu erhöhen.
Adolf Silverberg engagierte sich darüber hinaus in vielen Bereichen des Gemeinwesens. Er war unter anderem Mitglied
- im Bedburger Gemeinderat,
- im Bezirkseisenbahnrat und
- in der Industrie- und Handelskammer.
Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahre 1903 wurde der 1878 in Bedburg geborene Paul Silverberg schon im Alter von 25 Jahren Generaldirektor der Fortuna AG. In den folgenden Jahren verfolgte der junge Unternehmer die Fusion mehrerer Werke der Braunkohle, was zu folgenden Unternehmensgründungen führte:
1908 – „Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlewerkbau und Brikettfabrikation“ (RAG), das damals größte Braunkohlewerk der Welt.
1910 – „Rheinische Elektrizitätswerke im Braunkohlerevier“, deren Aufsichtsratvorsitzender er wurde.
Paul Silverbergs Engagement, sein Sachverstand und die damit verbundene Anerkennung in unternehmerischen und politischen Kreisen machten ihn zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsführer Deutschlands. Er war
in über 50 Aufsichtsräten von Großunternehmen vertreten
Mitglied im Reichsverband der Deutschen Industrie
Mitglied des Deutschen Industrie- und Handelstages
im Landtag vertreten
1932 Präsident der Industrie- und Handelskammer Köln.
Nachdem 1933 die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, emigrierte der liberale Wirtschaftsführer mit jüdischer Herkunft in die Schweiz, wo er 1959 verstarb.
Paul Silverberg, zum Ehrenbürger der Stadt Bedburg ernannt, gründete eine Stiftung, deren Zweck bis heute die Unterstützung hilfsbedürftiger Bürger in unserer Stadt sowie die Förderung von kulturellen Einrichtungen, so immer wieder auch des hiesigen Gymnasiums, ist.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Familie Silverberg für die Entwicklung Bedburgs und der Region, ihr soziales Engagement veranlassten 1998 den Rat der Stadt Bedburg, das Städtische Gymnasium in Silverberg-Gymnasium umzubenennen.