Verlegung von zwölf weiteren „Stolpersteinen“

Veröffentlicht am: 17.09.2018

Goldene, in den Boden eingelassene Steine, in die die Namen jüdischer Bürger Bedburgs und ihr Schicksal während des Dritten Reichs eingraviert sind. Im Februar 2010 verlegte der Künstler Gunter Demnig erstmals sogenannte „Stolpersteine“ in Bedburg, genauer gesagt im Stadtteil Kirchherten. Seitdem erinnern sieben goldene Steine vor der Zaunstraße 32 an die jüdische Familie Stern – Emil, Else, Herbert, Edith, Gustav, Leo und Selma Stern – und ihr Schicksal im Dritten Reich. 

Im Februar 2017 folgten in der Bedburger Innenstadt vor der Lindenstraße 28 und 34 drei weitere „Stolpersteine“ für die dort früher wohnenden jüdischen Bürger Mathias und Luise Höflich sowie Robert Marx. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Bedburg initiierte die Verlegung mittels eines politischen Antrages vom 1. Juni 2015 anlässlich einer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus im selben Monat. Der Rat der Stadt Bedburg beschloss die Umsetzung am 15. Dezember 2015.

Am 12. September 2018 erfolgte nun auf dem Bürgersteig vor der Lindenstraße 6 und der Hundsgasse 7 die dritte „Stolperstein“-Verlegung, dieses Mal von insgesamt zwölf Steinen, deren Kosten zu einem Großteil von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unter Beteiligung der SPD- und FWG-Fraktion im Rat der Stadt Bedburg übernommen werden.

Goldene, in den Boden eingelassene Steine, in die die Namen jüdischer Bürger Bedburgs und ihr Schicksal während des Dritten Reichs eingraviert sind.

In der Lindenstraße 6 lebten Ruth Levy, Emilie „Emmy“ und Ilse Tobias sowie Anny Frank-Tobias, in der Hundsgasse 7 Klara, Anna „Anze“ und Regina Levy sowie Max, Rosa, Erich, Ilse und Reha Hirsch. Sie wurden 1942 in den Häusern – sogenannte „Judenhäuser“ – zusammengefasst; von hier erfolgte bald darauf ihre Deportation und anschließende Ermordung. In die „Stolpersteine“ sind die Namen, Daten und Schicksale der zwölf jüdischen Bürger Bedburgs eingraviert. Sie sollen das Gedenken an ihr Schicksal hochhalten und eine ständige Erinnerung für nachfolgende Generationen schaffen.

„Mit der Verlegung der weiteren zwölf „Stolpersteine“ wollen wir erinnern und gleichzeitig ein Zeichen setzen. Die vergangenen Wochen zeigen erschreckend deutlich, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickelt. Wir haben in Chemnitz Menschen auf der Straße gesehen, die ihre menschenfeindlichen Parolen herausschreien und viele, viel zu viele Menschen die wieder „einfach nur“ mitlaufen. Wir sollten uns jetzt, mehr denn je, mit all unserem Verstand, Mut und Empathie gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung stellen, um diese Entwicklung umzukehren. Unser Bedburg, unser Deutschland sind nicht braun, sondern bunt und vielfältig. #Wir sind mehr! Wir müssen miteinander reden, Lösungen für Probleme finden und so die Ängste abbauen“, so Bürgermeister Sascha Solbach.

Der Künstler Gunter Demnig kniet am Boden und verlegt die goldenen "Stolpersteine". Am Vorabend der Verlegung hielt der Künstler Gunter Demnig im Schloss Bedburg den Vortrag „Stolpersteine – Spuren und Wege“, indem er seinen künstlerischen Werdegang skizzierte und den Verlauf seines „Stolperstein“-Projektes darstellte. 1993 begann der heute 70-Jährige mit der Projektentwicklung, drei Jahre später fand in Berlin-Kreuzberg die erste Verlegung statt. Seitdem wurden mehr als 60.000 goldene Steine in über 1.265 Orten Deutschlands sowie 20 Ländern Europas zur Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden in den Bürgersteigen vor ihren ehemaligen Wohnstätten eingelassen.
 

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