Klimaschutzmanagement

Interview: Wie erreicht die Stadt Bedburg Treibhausgasneutralität?

Lisa Hans KlimaschutzmanagementBild: Lisa Hans setzt sich bei der Stadt Bedburg für Klimaschutz ein. Klima- und Umweltschutz gehören zu den wichtigsten Themen unserer Zeit. Die Stadt Bedburg will bis 2045 das Ziel der Treibhausgasneutralität erreichen und schließt sich damit den Plänen des Bundes an. Doch was ist überhaupt mit Treibhausgasneutralität gemeint, wie erreicht man das Ziel als Kommune und was wird die Stadt dafür tun? Das erklärt Bedburgs Klimaschutzmanagerin Lisa Hans im Interview.

Bedburger Nachrichten (BN): Warum will die Stadt Bedburg das Ziel Treibhausgasneutralität erreichen?

Lisa Hans (LH): Treibausgase (THG) tragen zum Klimawandel bei. Das bedeutet, dass sich die Erde unter anderem durch die Gase erwärmt. Die Stadt Bedburg versteht Klimaschutz als gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nicht nur zur Sicherung der Gesundheit und der langfristigen Überlebensfähigkeit der Menschen auf dem Planeten beiträgt, sondern auch für unseren Wohlstand, Wachstum und für unsere Wettbewerbsfähigkeit in Bedburg sorgt.

BN: Was bedeutet Treibhausgasneutralität?

LH: Treibhausgasneutralität bedeutet, dass auf Bedburger Stadtgebiet ab 2045 nahezu keine klimaschädlichen Emissionen ausgestoßen werden. Diese Luftschadstoffe, wie etwa Kohlenstoffdioxid (CO₂) oder Methan, werden beispielweise bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas freigesetzt. Treibhausgasneutralität ist dann erreicht, wenn pro Einwohner und Jahr weniger als eine Tonne an Treibhausgasen ausgestoßen wird.

BN: Was ist der Unterschied zu Klimaneutralität?

LH: Klimaneutralität bedeutet, dass Maßnahmen oder Prozesse keine Treibhausgasemissionen ausstoßen und keinen Einfluss auf das Klima haben. So kann beispielsweise die Versiegelung von Flächen, also das Bedecken des natürlichen Bodens durch Bauwerke, treibhausgasneutral umgesetzt, aber nicht als klimaneutral beschrieben werden, da sich durch die Versiegelung die Umgebung aufheizen kann und somit einen negativen Einfluss auf das Klima und die Umwelt hätte.

BN: Wie will die Stadt Bedburg das Ziel der Treibhausgasneutralität erreichen?

LH: Die Stadt selbst wird einerseits in ihren eigenen Handlungsbereichen, wie beispielsweise auf ihren eigenen Grundstücken, im Beschaffungswesen oder beim Thema Straßenbeleuchtung, THG-neutral werden. Andererseits sollen vor allem die Maßnahmen umgesetzt werden, die zu großen Einsparungen von THG-Emissionen führen. Dazu können zum Beispiel der Ausbau erneuerbarer Energien oder Gebäudesanierungen gehören.

BN: Wann hätte die Stadt Bedburg das Ziel erreicht?

LH: Die gesamtstädtischen energiebedingten THG-Emissionen haben sich zwischen 2016 und 2019 bereits um 7,7 Prozent verringert. Das heißt, bis zum Jahre 2045 müssen diese um weitere 87% reduziert werden.

BN: Inwieweit sollen die Bürger*innen dabei eingebunden werden?

LH: Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger als Stadt informieren und gleichzeitig unterstützen, denn nur gemeinsam werden wir dieses Ziel erreichen. Dabei wollen wir zunächst die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Beratung und Information nutzen, um die erforderlichen THG-Minderungen in den Sektoren Industrie, private Haushalte, Verkehr, sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen zu realisieren. Zusätzlich werden Maßnahmen entwickelt, mit denen wir gemeinsam das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 erreichen.

   

Treibhausgase (THG) und Treibhauseffekt:

Die bekanntesten Treibhausgase Kohlenstoffdioxid (CO₂), Methan, Lachgas und Wasserdampf sind natürlicherweise in geringen Konzentrationen in der Atmosphäre zu finden. Durch menschengemachte Quellen hat sich der Anteil seit Beginn des letzten Jahrhunderts jedoch deutlich erhöht. Die Treibhausgase entstehen beispielweise wenn Öl, Gas und Kohle verbrannt werden, also, wenn Menschen zum Beispiel heizen, kochen, Auto fahren oder fliegen. Ebenso werden Treibhausgase infolge von Kraftwerkskühlung oder in der Landwirtschaft, vorwiegend in der Massentierhaltung, freigesetzt. Diese verstärken den sogenannten Treibhauseffekt. Dabei werden die von der Erdoberfläche reflektierten Wärmestrahlungen von den Treibhausgasen in der Luft aufgesaugt und teilweise wieder zur Erde zurückgestrahlt. Dadurch wird die Erdoberfläche und untere Atmosphärenschicht erwärmt. Die Folge: Temperaturerhöhungen und eine Zunahme von Extremwetterlagen wie Hitzewellen, Stürme oder Überschwemmungen.



„Die Klima-Wandler“ der Konrad-Adenauer-Stiftung treffen auf Bedburg

„Die Klima-Wandler“ und Bürgermeister Sascha Solbach Deutschlands Ziel heißt „Klimaneutralität bis 2045“. Doch dafür muss sich unser Lebensstil deutlich ändern, Buzzwords: sauberer Strom, klimafreundliche Mobilität, umweltbewusste Ernährung oder ressourceneffizientes Bauen. Die Stadt Bedburg ist mit vielen Projekten bereits mitten in der Umsetzung. Wie das genau aussieht, erfahren Sie unter anderem im Rahmen eines spannenden Absolventenprojekts der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Hinter dem Projekt stehen elf Absolventen der Stiftung, die gemeinsam mit den Journalisten Maria Grunwald und Nicolas Martin die Website „Die Klima-Wandler“ ins Leben riefen.
   

Unser Tipp: Unbedingt Zeit nehmen und auf der Website in die Geschichten von fünf Menschen eintauchen, die ihr Leben umgekrempelt haben, um sich für mehr Klima- und Umweltschutz einzusetzen. Darunter ist auch ein Beitrag, indem Sie viel über Bürgermeister Sascha Solbachs Zukunftsvision für unseren Strukturwandel erfahren sowie wegweisende Projekte der Stadt Bedburg kennenlernen, die bundesweit Leuchtturmcharakter besitzen.
   

Und hier geht's zur Website Die Klima-Wandler“! Übrigens: Das Projekt richtet sich nicht nur an all jene, die sich den Klimaschutz bereits in großen Lettern auf die Fahne schreiben, sondern auch an alle, die noch zweifeln. An alle, bei denen sich angesichts eines befürchteten „Klimadiktats“ prompt das Gedankenkarussell „Verbote, Verbote, Verbote“ dreht. Die neue Website „Die Klima-Wandler“ will genau dieses Karussell stoppen, damit letztendlich alle in den Klimaschutz einsteigen.
   
   
Bild: © Uhlemann-Design.de | Julie Matulla Illustration

   


Akteursbeteiligung

Ideenworkshop für das Integrierte Klimaschutzkonzept:

Im Rahmen des Demokratieforums 2021 lud die Klimaschutzmanagerin alle Bürger*innen dazu ein, ihre Ideen für den Klimaschutz vor Ort zu äußern. Diskutiert werden sollten Ideen, Maßnahmen und Herausforderungen für die Bereiche Erneuerbare Energien, Mobilität und Anpassung an den Klimawandel. Diese Themen haben sich nach einer ersten Auswertung der Online-Umfrage als Schwerpunktfelder herauskristallisiert. Außerdem konnten die bereits vorhandenen Ideen aus der Umfrage diskutiert und weiterentwickelt werden. Der Ideenworkshop fand am 4. September 2021 um 14:30 Uhr vor dem Bedburger Schloss statt.

   

Online-Umfrage zum Thema Klimaschutz in Bedburg

Online-Umfrage zum Thema Klimaschutz in Bedburg

  • Um die Bürgerinnen und Bürger in den Prozess zur Erstellung des Klimaschutzkonzeptes mit einzubeziehen, wurde in einem ersten Schritt eine Online-Umfrage durchgeführt. Es ging darum zu erfahren, welche Einstellungen und Verhaltensweisen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz die Bedburger haben. Und welche Rahmenbedingungen es für uns zu schaffen gilt, um die Bevölkerung in Ihrem Engagement für den Klimaschutz zu unterstützen.

  
Bei Fragen oder Problemen zur Umfrage wenden Sie sich bitte an: Lisa Hansl.hans@bedburg.de, Telefon: 02272 / 402 – 610.

  

  

  

   

  



Bedburg bekommt ein Integriertes Klimaschutzkonzept:

Klimaschutz Ein Integriertes Klimaschutzkonzept enthält Strategien und Maßnahmen, um aktiv Energie einzusparen, die Energieeffizienz zu steigern und die Nutzung von erneuerbaren Energien auszubauen.

In einem ersten Schritt wird der Status Quo analysiert:

  • Welche Klimaschutzmaßnahmen wurden bereits umgesetzt?
  • Wie viel Energie wird in den verschiedenen Sektoren (bspw. Verkehr & kommunale Liegenschaften) verbraucht?
  • Wie viele Treibhausgasemissionen werden dabei freigesetzt?

Auf Basis dieser Bilanz können Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung des Energieverbrauchs gefunden werden.

Die Energie- und THG-Bilanz sowie die Potenzialanalyse werden in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister erstellt.

Aufbauend auf der Potenzialanalyse werden dann Treibhausgas-Minderungsziele festgeschrieben. Dabei sollen die folgenden sieben Handlungsfelder genauer betrachtet werden:

  1. Beschaffungswesen,
  2. Straßenbeleuchtung,
  3. IT-Infrastruktur,
  4. eigene Liegenschaften,
  5. Mobilität,
  6. erneuerbare Energien und
  7. Anpassung an den Klimawandel.

Um die gefundenen Potenziale auszuschöpfen und die THG-Minderungsziele zu erreichen, werden verschiedenen Maßnahmen für die unterschiedlichen Handlungsfelder entwickelt. Dies geschieht Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und natürlich den politischen Entscheidungsträgern.

Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.



Hintergrundinformationen: Aufgaben und Ziele eines Integrierten Klimaschutzkonzeptes:

Ein Klimaschutzkonzept dient als strategische Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für zukünftige Klimaschutzaktivitäten. Es soll den Klimaschutz nachhaltig in der Kommune verankern. Hierzu sind die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten in Politik und Verwaltung festzulegen und die Bürgerinnen und Bürger sowie weitere relevante Akteursgruppen frühzeitig einzubinden. Das Klimaschutzkonzept zeigt auf, welche technischen und wirtschaftlichen Potenziale zur Minderung von Treibhausgasen (THG) bestehen und legt Ziele und Maßnahmen zur Minderung von THG-Emissionen fest. 

   

Bestandteile des Integrierten Klimaschutzkonzeptes:

  1. Ist Analyse & Energie- und THG-Bilanz
  2. Potenzialanalyse & Szenarien
  3. THG-Minderungsziele & Strategien
  4. Akteursbeteiligung
  5. Maßnahmenkatalog
  6. Verstetigungsstrategie
  7. Controlling-Konzept
  8. Kommunikationsstrategie

   

Nationale Klimaschutzinitiative:

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.

Weitere Informationen finden Sie hier

  

Projekttitel: „KSI: Integriertes Klimaschutzkonzept und Klimaschutzmanagement der Stadt Bedburg – Erstvorhaben“

Förderkennzeichen: 03K13855

Förderquote: 90 %

Förderzeitraum: 01.09.2020 – 31.08.2022

Klimaschutz









Ansprechpartner:

Email Name Telefon Fax
02272 / 402 - 610 02272 / 402 - 400

zuständiges Amt:

Stadt Bedburg
Am Rathaus 1
50181 Bedburg - Kaster

02272 / 402 - 0
02272 / 402 - 149

Montag:
Von 08:30 bis 12:00
und 14:00 bis 16:00
Dienstag:
Von 08:30 bis 12:00
und 14:00 bis 18:00
Donnerstag:
Von 08:30 bis 12:00
und 14:00 bis 16:00
Freitag:
Von 08:30 bis 12:00
zum Veranstaltungskalender

Kontakt zur Stadt Bedburg

 

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