"Mensch Bedburg!" - Gedenkfeier 80 Jahre Reichspogromnacht

Das "Mensch Bedburg!"-Logo aus Kerzen. Denn nur zusammen ist man nicht allein: Gedenkfeier 80 Jahre Reichspogromnacht

„Mensch Bedburg!“ eine großartige Veranstaltung mit sehr vielen Gästen

Es war eine stimmungsvolle Kulisse und eine beeindruckende Atmosphäre: Über 400 Gäste kamen am 9. November 2018 zum jüdischen Friedhof in Bedburg, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Große und kleine, junge und ältere Bedburgerinnen und Bedburger hörten das Klezmerlied „Donna Donna“ von Blake Weston auf der Klarinette. Bürgermeister Sascha Solbach und Heinz Obergünner vom Bedburger Geschichtsverein erinnerten in kurzen eindrucksvollen Worten an den Anlass der Gedenkfeier. Sie beschrieben das Datum vor allem als den Übergang von verbaler Hetze zu physischer Gewalt gegenüber Juden und allen Andersdenkenden in Nazideutschland. Pastor a.D. Gerhard Dane berührte alle Anwesenden mit einem Psalm und einem Appell an die Menschlichkeit.  

Anschließend ging es in die Hundsgasse. Dort sangen Mitglieder des San Francesco Chores unter der Leitung von Hermann Jürgen Schmitz eine Liturgie, zu der Schülerinnen und Schüler der Arnold-von-Harff-Gemeinschaftshauptschule die Namen von Bedburger Juden lasen, für die in der Stadt „Stolpersteine“ zum Gedenken verlegt wurden. Dies war ebenso berührend wie die von Rudi Rüttgers gesungene Version von „Kristalnaach“, begleitet von Dieter Kirchenbauer.

Die Abschlusskundgebung begann auf dem benachbarten Marktplatz mit einem „Halleluja“ des San Francesco Chores. Das weitere Programm war mit Kindern der Klassen 5-10 der Arnold-von-Harff-Schule, Dieter Kirchenbauer und ihrer Version von „Zusammen“ sowie „We are the world“ hervorragend umgesetzt. Aaron Spielmanns überzeugte mit einem Poetry Slam. Ebenso fanden Bürgermeister Solbach, Pfarrer Gebhard Müller und Pastor a.D. Gerhard Dane die treffenden Worte, um an das Wichtigste in unserer Gesellschaft zu erinnern: sich umeinander zu kümmern und niemanden zu vergessen! Zentrales Element in allen Wortbeiträgen war der Schutz der demokratischen Werte und das Einstehen für sie.

Gemeinsam mit dem Publikum gesungen, verabschiedeten sich alle Sängerinnen und Sänger sowie Musiker mit „Stammbaum“ von den Bläck Fööss schließlich aus einem sehr bewegenden Abend.

Bildergalerie "Mensch Bedburg!" Gedenkfeier 80 Jahre Reichspogromnacht 09.11.2018


Der "Poetry Slam"-Beitrag von Aaron Spielmanns:

Die Katastrophe

Befehlsgebrüll hallte heiser durch die Nacht,
eilige Schritte donnerten über das Pflaster,
im Auftrag von Hitler dem deutschen Reichskanzler,
ward Unheil und Leid über Deutsche gebracht.

Sie waren Ehemals-Deutsche, denn seit dem Attentat vom Rath,
wie schon davor, hatte man sie für alles verantwortlich gemacht.
Man hört schon von weitem, „Der Jude, da wohnt er!“,
die Zecke, das Pack oder Volksschmarotzer.

So entlud sich ein Zorn von ungekannten Maßen,
Angst und Verzweiflung schüttend auf Deutschlands Straßen.
Gespeist aus irrationaler Angst und Staatspropaganda,
geschah das Pogrom, und leitete ein die Schoa.

Es war bei weitem kein Daunenreigen,
erst flogen Steine, zerschmetterten Scheiben,
dann hagelten Fäuste auf Menschen nieder um es ihnen nun,
den Schaufenstern der Geschäfte gleich zu tun.

Unter brutalen Schlägen barst das Holz der Fensterrahmen,
und brachen lautstark verschiedenste Knochen,
Kinder schrien verängstigt, ihren Müttern in Armen,
mit rosigem Gesicht im Rock verkrochen.

Brandsätze schlugen durch Synagogenfenster,
unter johlendem Jubel antisemitischer Männer,
steckten sie jüdische Bauten in Brand,
bis nichts mehr außer den Grundmauern stand.

Der beißende Geruch von Rauch zog durch die Straßen,
streichelte hart gegen hassverzerrte Visagen,
schmierig schwarz gestrichen wabernde Luft,
erstickte Schreie in flammender Gruft.

Von dieser Nacht an verflossen ineinander die Jahre,
steigerten sich zur Lösung der Judenfrage,
Wer in der Nacht nicht starb, lebte geplagt von Sorgen,
denn wusste er nicht, holen sie mich heut, oder morgen?

Wer Kontakt zu Aaron Spielmanns aufnehmen möchte, kann dies gerne per E-Mail tun. 

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