Ortschaft Lipp / Millendorf

Luppe, Luoppe, Luppa
Lipp/Millendorf

Lipp ist eine der ältesten Siedlungen im Erftkreis und wohl keltischen Ursprungs. Das beweist der von dem Bachnamen "Luppa" (der Lipper Bach bildet sich in Etgendorf aus zwei kleineren Bachläufen und fließt über Millendorf nach Lipp, wo er sich nach Bedburg zur Erft hinwendet) hergeleitete Ortsname (F. Haberich). Erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1063. Urkundlich erscheint Lipp zuerst 1131, als der Kanoniker Werinbold seinem Stift St. Gereon in Köln "molendinum unum in Gilgove inter Trosthorp et Luppe" schenkt.


Lipp war der Sitz einer Familie niedrigen Adels, dessen erster Namensgeber „Iwan von Lipp“ im Jahr 1176 erstmalig auftaucht. Weitere Mitglieder der Familie tauchen auf Grund von Geldschwierigkeiten immer wieder bei Verkäufen von Besitztümern auf.


Ein weiterer Vertreter, Heinrich von Lipp, nahm auf Seiten des Erzbischofs von Köln an der Schlacht von Worringen (1288) teil und unterlag. Diese Gelegenheit nutzte der Graf von Jülich, um das Lipp unter seine Hoheit zu bringen. Zwar verfügte 1306 ein Schiedsspruch die Rückgabe an den Ritter Werner Princel, aber Gerhard von Jülich gelang es 1314, für die damals enorme Summe von 700 Mark (1.500 kg an Silberpfennigen) Hof und Rechte von Lipp vom ständig klammen Princel abzukaufen. Markgraf Wilheln von Jülich setzte 1343 einen Burggrafen, Ritter Cono von Pütz, ein, so dass Lipp fortan als Lehen zu Jülich gehörte. Seltsamerweise wurde es aber nicht dem nahe gelegenen Amt Kaster, sondern dem ebenfalls zu Jülich gehörenden Amt Grevenbroich als Außenposten zugeteilt. Von der damals noch existierenden Burg Lipp, dem Sitz der Herren zu Lipp, ist leider der Zeitpunkt ihres Verschwindens nicht bekannt.


Bis zur französischen Neuordnung im Jahr 1800 blieb Lipp (als Gericht Lipp) unter der Verwaltung des Amts Grevenbroich; es wurde lediglich 1555 mit dem Gericht Königshoven vereint. Nach der französischen Besetzung führte Napoleon die Mairieverfassung ein; Lipp mit Millendorf und Oppendorf kamen zur Mairie Kaster. Auch nach Übernahme durch Preussen blieb Lipp als Spezialgemeinde in der Bürgermeisterei (ab 1927 Amt) Kaster.


1933 kam Lipp durch seine Zugehörigkeit zum Amt Kaster durch Verfügung der NSDAP zum neuen Amt Königshoven. Erst nach Kriegsende wurde es durch die amerikanische Militärregierung aus dem Amt herausgelöst und Bedburg unterstellt. Im Jahr 1950 beschlossen dann die Bürger endgültig zum Amt Bedburg zu wechseln. Sie kommunale Neugliederung 1975 führte dann zur heutigen Stadt Bedburg.


Die katholische Pfarrkirche St. Ursula auf einer baumbestandenen Anhöhe in Lipp kann auf eine lange Baugeschichte zurückblicken. Der Ursprungsbau, eine romanische Pfeilerbasilika (Ende 12. Jh.), die 1242 als Pfarrkirche bezeugt wird, bildet den Kern der heutigen Kirche. Als Motive für die Wandmalereien im Chor wählte der Maler des 13. Jh. die Ursulalegende, eine "Majestas Dei" und Apostelgestalten. Die spätromanischen Fresken wurden 1875 wiederentdeckt und – teilweise mit mäßigem Erfolg – restauriert.


Bis vor dem letzten Kriege gehörten Etgendorf, Millendorf und Oppendorf mit dem Schunkenhof und der Gaulshütte zur Gemeinde Lipp.


Gut Etgendorf, im Westen in freier Feldflur baumumstanden gelegen, war einst Lehnsgut des Kölner Gereonsstiftes. Sein Lehnsman, der Kölner Patrizier Bruno Kleingedank, verwaltete das Stiftsgut "Etkendorp", als die Kanoniker es dem Prämonstratenserinnenkloster Reichenstein bei Monschau verkauften (1216). 1408 werden die von Lievendahl als Besitzer genannt, bevor 1604 der geadelte Jülicher Rat Peter Simon Ritz zu Niederembt die Güter erwirbt. Die heute noch vorhandenen Anlage stammt aus dem Umbau von 1605. Er läßt an der Südostecke des Gebäudequadrums seiner wasserumwehrten "adeligen Seß" ein neues Herrenhaus errichten. Nur der Eckturm an der Ostseite mit starkgeschweifter Schieferhaube kündet noch vom ursprünglichen Wehrcharakter. 1862 schließlich kommt Etgendorf durch Heirat in den Besitz der Freiherren von Hövel.


Die alte Burgsiedlung Millendorf, westlich von Lipp, weist überwiegend Backsteinbauten des 19.Jh. auf. Das barocke Wohnhaus mit hohem Satteldach der Viereckanlage des Ivenhofes hat ausgesprochenen Denkmalwert (Ende des 17. Jh.). Neben dem heutigen Ivenhof lag am Westausgang von Millendorf ein älterer Gutshof.


Das Kölner Erzstift besaß auch einen Hof in Middelendorp, den einer seiner Lehnsmänner verwaltete. Ab 1473 waren dies die von Harff zu Middelsdorp, denen von 1527 bis 1784 die von Blittersdorf folgten. Dieser am Nordostausgang des Dorfes gelegene Hof besteht nicht mehr. Für die heutigen Hofanlagen kann der Hof Rixen (Anfang 19. Jh.) beispielhaft aufgeführt werden, dessen Geviert teilweise noch von Fachwerkbauten umschlossen wird.


Im nahegelegenen Oppendorf (Uppindorp) besaß das Kölner Gereonsstift schon seit 1244 einen Gutshof mit einer Mühle aus dem Jahre 1131, der nach ihm benannt war. Er erhielt seinen heutigen Namen Schunkenhof durch die Familie Schunk, die das Gut im 17. Jahrhundert bewohnte. Während der französischen Zeit wurde er als Klostergut verkauft; danach kam er in den Besitz der Familie Rath.

Er war durch seine Pferdezucht weithin bekannt. Mit Ausnahme der freistehenden Hofkapelle St. Hubert, einem kleinen Putzbau mit dreiseitigem Chor, Schweifgiebel und Dachreiter (18. Jh.), sind alle anderen Hofgebäude aus neuerer Zeit. Der südlich des Schunkenhofs an der Straße nach Kirchtroisdorf gelegene Gutshof Gaulshütte trägt seinen Namen nach dem Besitzer Dahm Gauls, der 1543 urkundlich erwähnt wird.


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