Ortschaft Blerichen

Blerike, Bliderike, Bliederiche
Blerichen

Ortsnamen mit der Endung –rike wie Bliderike (Blerichen) weisen auf keltische Siedlungen hin, die schon um 1.000 v. Chr. hier in der Gegend entstanden. Durch ein gefundenes Gräberfeld auf dem Gebiet der Rheinischen Linoleumwerke ist auf jeden Fall eine fränkische Siedlung bei Blerichen gesichert. Andererseits kann der Namen aber auch auf einen römischen Ursprung hinweisen, was die vielen römischen Funde in der Gegend durchaus plausibel machen.


Erstmals urkundlich erwähnt wurde Blerichen am 14. Oktober 997, als der ostfränkische Kaiser Otto III. Blerichen in Form einer Urkunde an das Kloster Echternach zurückgab. Das Kloster Echternach wurde verschiedentlich immer wieder von den deutschen Kaisern als Grundherr bestätigt. Da es sich hierbei um ein Zurückgeben handelte, kann davon ausgegangen werden, dass Blerichen schon wesentlich älter ist. Doch auch 1.000 Jahre Ortsgeschichte sind ein fast unvorstellbarer Zeitraum.


Die Geschichte Blerichens ist besonders durch die häufigen Wechsel der Besitzverhältnisse beeinflusst. Zwischen 1250 und 1350 gelang es den Jülichern, den Teil westlich der Erft unter ihre Herrschaft zu bringen. Lediglich Blerichen und Kirdorf (sowie Blatzheim und Kerpen) blieben eine kurkölsche Enklave im Gebiet der Grafen von Jülich. Beide Dörfer kamen nämlich als uneingelöstes Pfand zur Herrschaft Bedburg (der Graf von Hülchrath als Besitzer verpfändete den Ort gegen einen Kredit von 130 Mark an Johann von Reifferscheid-Bedburg, löste dieses Pfand aber nicht mehr aus, so dass er bei Bedburg und damit im Hoheitsbereich von Kurköln verblieb).  Politisch gehörte damit Blerichen zu Bedburg, allerdings kirchlich zur Pfarrgemeinde Kirdorf.


Auch wenn schon Mitte des 19. Jahrhunderts Blerichen mehr Einwohner als Kirdorf hatte, blieb Kirdorf lange Zeit dominierend. Durch die fortschreitende industrielle Entwicklung in Bedburg (1869 wurde die Bahnlinie Düren-Neuss gebaut, was die Gründung der Bedburger Wollindustrie, der Rheinischen Linoleumwerke und der Zuckerfabrik ermöglichte) und den damit verbundenen Bedarf an Arbeitern wuchs die Einwohnerzahl des reinen Wohnortes zwischen 1861 und 1910 um 200 Personen auf 478 an.


Nach weiteren schweren Rückschlägen durch die zwei Weltkriege konnten die Bedburger Betriebe dann auch schon sehr früh wieder Arbeitsplätze anbieten und so vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen aus dem Osten Deutschlands in Blerichen eine neue Heimat bieten; zunächst in den, in der Nähe der Fabriken gebauten, Siedlungen, dann aber auch außerhalb dieser Siedlungen.


Ab Mitte der 60er-Jahre kamen verstärkt Gastarbeiter aus Spanien und Italien nach Bedburg, vor allem nach Blerichen, um den immer noch steigenden Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Auch sie fanden in Blerichen eine neue Heimat und sind in der örtlichen Gemeinschaft integriert. Neben dem Einsatz für völkerverbindende Aufgaben ist der Einsatz der ausländischen Mitbürger auch für die örtlichen Belange Blerichens selbstverständlich.


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