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Molokhiya oder eine Liebesgeschichte                          Geruchserinnerungen an Damaskus


            Während meines Studiums in Damaskus entdeckte ich ein         Molokhiya hat einen sehr intensiven, eigenarti-  gab es einen kleinen Raum, der einen be-
            Gericht, das damals an der syrischen Küste noch unbekannt     gen, erdigen Geruch. Die Blätter riechen ähnlich   sonderen Namen hatte: Nussieh, was so viel
            war und mit dem ich eine besondere Geschichte verbinde.       wie Heu, insbesondere, wenn sie trocken sind     bedeutet wie „Raum der Mitte“.
            In der Pause zwischen zwei Vorlesungen rief meine Freundin    oder während des Trocknens. In der Molokhi-      Nachdem die Molokhiya-Blätter sorgfältig
            ihre Mutter von einem Münztelefon aus an, um nach dem         ya-Saison kaufen die Syrer die frischen, grünen   und mehrmals in kaltem Wasser gewaschen
            Mittagessen zu fragen. Als sie die Antwort hörte, leuchtete   Blätter in sehr großen Säcken. Als Kind half ich   worden waren, wurden sie auf sehr großen
            ihr Gesicht vor Freude auf und sie erzählte mir, dass es zu   oft, die Säcke ins Haus meiner Großeltern zu     Decken im Nussieh ausgelegt, um zu trock-
            Hause Molokhiya gebe. Sie war so begeistert, dass sie auf     tragen. Sie wohnten in einem arabischen Haus     nen. Ein Ventilator sorgte dafür, dass sie an
            keinen Fall in der Universitätsmensa essen wollte. Als ich ihr   mit einem Innenhof und einer Treppe, die in   der Luft trockneten und der erdige Geruch
            sagte, dass ich dieses Gericht nicht kenne, bestand sie dar-  L-Form das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss      verbreitete sich im ganzen Haus – ein Ge-
            auf, mich zum Essen zu ihr nach Hause einzuladen.             verband. In der Mitte der Treppe, also dort, wo   ruch, der für immer in meiner Erinnerung
            Die Familie wohnte in einem traditionellen arabischen Haus    sie einen Knick macht, um die L-Form zu bilden,   bleiben wird.                                  Bassel
            mit zwei Etagen, die durch eine Treppe verbunden waren.
            Beide Etagen verfügten über weitläufige Innenhöfe, in denen
            Zitronenbäume, Weinstöcke und zahlreiche Blumen wuch-
            sen. Ich verliebte mich sofort in das Haus und den unver-
            wechselbaren Duft, den es durchströmte.
            Zum Mittagessen versammelte sich die ganze Familie – die
            Mutter, einige Brüder und Schwestern – am Tisch und ich
            lernte auch einen ihrer Brüder kennen, einen Künstler, der
            erst vor ein paar Tagen aus dem Ausland zurückgekehrt war.
            Das war im Jahr 1988.
            In den folgenden Monaten vertiefte sich unsere Verbindung,
            und schließlich entschied sich dieser Künstler, seine Tätigkeit
            im Ausland aufzugeben, um in Damaskus, in meiner Nähe,
            zu bleiben.
            Seit diesem ersten Mittagessen sind nun 36 Jahre vergangen
            und der Künstler genießt zusammen mit unseren beiden
            Kindern immer noch am liebsten das Molokhiya-Gericht, das
            ich auf meine ganz eigene Weise zubereite.
                                                                                                   Widad

                                                                                                                                                                    37
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